Diagnose und Therapie der Nikotinsucht

Nikotin- bzw. Tabaksucht ist ein weltweites Problem

In Österreich ist die Anzahl der RaucherInnen ab 16 Jahren in den letzten 30 Jahren insgesamt in etwa konstant geblieben, wobei der Anteil der nikotinabhängigen Männer rückläufig ist und ein Anstieg des Anteils an Raucherinnen zu beobachten ist (27,5% Raucher vs. 19,4% Raucherinnen) (Statistik Austria, 2007).
 
Mittlerweile stellt das Rauchen weltweit ein anerkanntes gesundheitliches Problem dar, von dem schätzungsweise 1,1 Milliarden Menschen betroffen sind (George, 2007). Mit der Einführung des internationalen Klassifikationssystems psychischer Krankheiten ICD-10 (Dilling, Mombour & Schmidt, 1994) wurde der Nikotinkonsum als eigenständige Abhängigkeitserkrankung anerkannt. Das Suchtpotenzial von Zigaretten kann mit dem von „harten Drogen“ (Heroin, Kokain) gleichgesetzt werden, 32% aller Personen, die je geraucht haben, werden abhängig (Antony et al., 2000). Die Nikotinabhängigkeit kann sehr schnell eintreten. Oft stellen sich Symptome der Abhängigkeit und des Nikotinentzugs bereits nach dem Rauchen von wenigen Packungen Zigaretten ein (Fidler et al., 2006). Die Problematik wird dadurch erschwert, dass die Verfügbarkeit von Zigaretten sehr leicht ist.

Anzeichen einer Nikotinabhängigkeit
Nikotinsucht bzw. Tabakkonsumstörung nach DSM-5 (Amercan Psychiatric Assosiation, 2015)
 
Ein problematisches Muster von Tabakkonsum führt in klinisch bedeutsamer Weise zu Beeinträchtigungen oder Leiden, wobei mindestens zwei der folgenden Kriterien innerhalb eines Zeitraums von 12 Monaten vorliegen:
  1. Tabak wird häufig in größeren Mengen oder länger als beabsichtigt konsumiert.
  2. Anhaltender Wunsch oder erfolglose Versuche, den Tabakkonsum zu verringern oder zu kontrollieren.
  3. Hoher Zeitaufwand, um Tabak zu beschaffen oder zu konsumieren.
  4. Craving oder ein starkes Verlangen, Tabak zu konsumieren.
  5. Wiederholter Tabakkonsum, der zu einem Versagen bei der Erfüllung wichtiger Verpflichtungen bei der Arbeit, in der Schule oder zu Hause führt (z.B. Behinderung der Arbeit).
  6. Fortgesetzter Tabakkonsum trotz ständiger oder wiederholter sozialer oder zwischenmenschlicher Probleme, die durch die Auswirkungen des Tabaks verursacht oder verstärkt werden (z.B. Streit mit anderen über den Tabakkonsum).
  7. Wichtige soziale, berufliche oder Freizeitaktivitäten werden aufgrund des Tabakkonsums aufgegeben oder eingeschränkt.
  8. Wiederholter Tabakkonsum in Situationen, in denen der Konsum zu einer körperlichen Gefährdung führt (z.B. Rauchen im Bett).
  9. Fortgesetzter Tabakkonsum trotz Kenntnis eines anhaltenden oder wiederkehrenden körperlichen oder psychischen Problems, das wahrscheinlich durch Tabak verursacht wurde oder verstärkt wird.
  10. Toleranzentwicklung definiert durch eines der folgenden Kriterien:
    Verlangen nach ausgeprägter Dosissteigerung, um einen erwünschten Effekt herbeizuführen.
    Deutlich verminderte Wirkung bei fortgesetztem Konsum derselben Menge an Tabak.
  11. Entzugssymptome (Reizbarkeit, Angst, Unruhe, gesteigerter Appetit, …) oder Tabak (oder eine sehr ähnliche Substanz wie etwa Nikotin) wird konsumiert, um Entzugssymptome zu lindern oder zu vermeiden.
Endlich Nichtraucher – Raucherentwöhnung
Einige Raucher befürchten beim Verzicht auf eine Zigarette körperliche Entzugserscheinungen. Diese Entzugserscheinungen können laut Klassifikationssystem der Psychiatrie (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders – DSM IV) Rauchverlangen, vermehrte Irritierbarkeit, verminderte Frustrationstoleranz, gereizte oder depressive Stimmung, Ärger, Aggressivität, Angst, Konzentrationsstörung, Unruhe, relative Bradykardie, Schlafstörung und gesteigerter Appetit sein (Heinz, 2003). Diese Entzugserscheinungen treten jedoch nicht immer auf und es besteht die Möglichkeit den entwöhnungswilligen Raucher in Rahmen eines therapeutischen Settings medikamentös zu unterstützen.
 
Das Anton Proksch Institut Wien hilft Betroffenen, die NichtraucherIn werden wollen. Es wird ein ausgebautes und gut etabliertes Therapieprogramm angeboten, dass Sie mit einem verhaltenstherapeutisch orientierten Programm und mit medizinischer Unterstützung beim Aufhören unterstützen kann.  Sie haben die Möglichkeit begleitend zu Ihrem Aufenthalt an unserem Programm teilzunehmen.