Text aus:
Uhl Alfred, Bohrn Karl,
Fenk Regina, Grimm Gerhard, Kobrna Ulrike, Springer Alfred, Lantschik
Elke (2005):
ESPAD Austria 2003: Europäische Schüler- und Schülerinnenstudie
zu Alkohol und anderen Drogen Band 1: Forschungsbericht
Bundesministerium für Gesundheit und Frauen, Wien
Binge-Drinking wurde in Zusammenhang mit Jugendlichen in den
letzten Jahren immer mehr zum Modewort, wobei allerdings völlig
unklar ist, was darunter zu verstehen ist (ICAP, 1997).
- Das Langenscheidt Handwörterbuch
Englisch (Messinger, 1994) übersetzt "Binge"
mit "Gelage", also mit "über mehrere Tage
andauernde Feiern mit starkem Alkoholkonsum" sowie mit
"einen Draufmachen", also mit einer "Sauftour".
- Recht ähnlich aber
keinesfalls identisch zu ersterer Definition präzisierte
Schuckit (2006), als Herausgeber des renommierten "Journal
of Studies on Alcohol", "Binge Drinking" als
"über mehrere Tage hinweg anhaltenden Alkoholkonsum
bis zur Berauschung, wobei übliche Aktivitäten und
Verpflichtungen vernachlässigt werden". Schuckit legte
dabei in den Richtlinien fest, dass die Zeitschrift nur Artikeln
zur Publikation akzeptieren darf, die sich an dieser Definition
orientieren.
Guidance for authors on
the policy of the Journal of Studies on Alcohol regarding
the appropriate use of the term "binge" (2006):
In order to avoid the confusion that can potentially arise
when different clinical phenomena are being described by
the same name, the Journal has now adopted a policy that
requires the term "binge" to be used in a specific
way in accepted manuscripts. According to the policy, the
term "binge" should only be used to describe an
extended period of time (usually two or more days) during
which a person repeatedly administers alcohol or another
substance to the point of intoxication, and gives up his/her
usual activities and obligations in order to use the substance.
It is the combination of prolonged use and the giving up
of usual activities that forms the core of the definition
of a "binge" (http://alcoholstudies.rutgers.edu/journal/Binge.html,
15.3.2006)
- Ganz anders ist die auf Wechsler
et al. (1994) zurückgehende Definition von "Binge
Drinking" als "Konsum von mindestens 5 Glas Alkohol
ohne zeitliche Begrenzung", wobei ein Glas mit 0,12 Liter
Wein, 0,36 Liter Bier oder 0,04 Liter Spirituosen quantifiziert
wurde (insg. also rund 60 Gramm Reinalkohol, vgl. Kap. 5.10,
S.96). Während "Binge Drinking" nach der ursprünglichen
Definition eine relativ seltene Form des exzessiven Alkoholkonsums
darstellt ist "Binge Drinking" nach letzterer Definition
ein weit verbreitetes und vergleichsweise zu ersterem viel weniger
dramatisches Phänomen. An letzterer Definition (mindestens
5 Glas) orientierten sich auch die Autoren von ESPAD und das
US-amerikanische National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism
(NIAAA).
- Nachdem die auf Wechsler
zurückgehende Definition immer wieder kritisiert wurde,
weil beim Konsum derartiger Alkoholmengen über längere
Zeiträume häufig nicht einmal eine leichte Berauschung
auftritt, hat NIAAA (2004) die Definition dahingehend geändert,
dass jener Alkoholkonsum der eine Blutalkoholkonzentration von
mindestens 0,8 Promille erzeugt, als "Binge Drinking"
zu bezeichnen ist.
A "binge" is a
pattern of drinking alcohol that brings blood alcohol concentration
(BAC) to 0.08 gram percent or above. For the typical adult,
this pattern corresponds to consuming 5 or more drinks (male),
or 4 or more drinks (female), in about 2 hours (NIAAA, 2004).
- Im deutschen Sprachraum wird
"Binge Drinking" oft auch mit einer Reihe von erheblich
anderen Bedeutungen, wie "Kampf- oder Wetttrinken",
"bewusstes Rauschtrinken" oder "Komasaufen"
gleichgesetzt, was die Sache noch weiter verkompliziert. So
findet man z.B. im von Lesern gestalteten Online-Lexikon folgenden
Satz: "Bezeichnet werden diese Art moderner Trinkgelage
als Binge Drinking - deutsch: Besäufnis; umgangssprachlich
Komasaufen oder Kampftrinken" (Wikipedia,
(15.3.2006) und im ORF wurde "Binge Drinking"
2006 mit "ausgiebiges Saufen mit dem erklärten Ziel,
betrunken zu werden" gleich gesetzt.
Definitionen können logisch
betrachtet weder falsch oder richtig sein und es sei daher jedem
unbenommen, "Binge-Drinking" so zu definieren, wie er
es möchte. Es ist aber völlig inakzeptabel sich in einem
Text auf eine bestimmte Begriffsbedeutung im Sinne von sehr extremen
Konsumformen (z.B. "Komatrinken") festzulegen und dann
die Häufigkeit des Phänomens aus Befragungen abzuleiten,
die unter diesem Titel Konsumformen inkludieren, welche teilweise
nicht einmal einen deutlichen Rausch verursachen, wie z.B. fünf
angelsächsische Standardglas über viele Stunden hinweg
konsumiert.
Literatur:
Messinger, H. (1994):
Langenscheids Handwörterbuch Englisch
Langenscheidt, Berlin
NIAAA (2004):
NIAAA Council Approves Definition of Binge Drinking.
NIAAA Newsletter, WINTER 2004, 3, 3
Schuckit, M.A. (ed.) (2006):
Guidance for authors on the policy of the Journal of Studies
on Alcohol regarding the appropriate use of the term 'binge'.
Center of Alcohol Studies RUTGERS, San Diego
Wechsler, H; Davenport, A.; Dowdall, G; Moeykens, B.; Castillo,
S.(1994):
Health and Behavioral Consequences of Binge Drinking in College.
A National Survey of Students at 140 campuses. JAMA, 272,
21, 1672-1677
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