Suchtpräventionsdokumentation - Alkohol
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Entwicklung des Pro-Kopf-Konsums an reinem Alkohol in Österreich 1955-2008

Grafik aus:

Uhl, A.; Bachmayer, S.; Kobrna, U.; Puhm, A.; Springer, A.; Kopf, N.; Beiglböck, W.; Eisenbach-Stangl, I.; Preinsperger, W.; Musalek, M. (2009):  Handbuch: Alkohol - Österreich: Zahlen, Daten, Fakten, Trends 2009. dritte überarbeitete und ergänzte Auflage. BMG, Wien

Abb. 1:
Entwicklung des Pro-Kopf-Konsums der Erwachsenen (15-99-Jährigen)und der Gesamtbevölkerung an reinem Alkohol in Österreich, 1955-2008


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Quelle: Statistik Österreich, (2009); Österreichischer Spirituosenverband, (2008); eigene Berechnungen Kommentar: Die Werte sind mittels Gleitmittelwertbildung über 3 Werte geglättet.


Verlauf des Pro-Kopf-Alkoholkonsums

Eine systematische Darstellung des Pro-Kopf-Alkoholkonsums in Österreich von der Zwischenkriegszeit bis in die 80er Jahre, basierend auf unterschiedlichsten Quellen, wurde von Eisenbach-Stangl (1991) veröffentlicht. In dieser Darstellung wird aufgezeigt, dass der Pro-Kopf-Konsum in den letzten hundert Jahren im Wesentlichen mit der wirtschaftlichen Entwicklung parallel verlief. Der Pro-Kopf-Konsum sank während der beiden Weltkriege und der großen Depression Ende der 20er Jahre auf ein sehr niedriges Niveau und nahm danach jeweils wieder langsam zu. Es waren aber auch zwei Einbrüche zu verzeichnen, die nicht unmittelbar mit der wirtschaftlichen Entwicklung zusammenhingen: der erste zu Beginn des 20. Jahrhunderts, noch in der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie, der wahrscheinlich mit dem Aufkommen der Abstinenzbewegung zusammenhängt (Eisenbach-Stangl 1991, 1994); der zweite Anfang der 90er Jahre, auf den wir im übernächsten Absatz genauer eingehen.

Die übliche Berechnung des Pro-Kopf-Konsums bezogen auf die Gesamtbevölkerung ( zur Tabelle) ergibt allerdings - ganz besonders bei Vergleichen über längere Zeiträume hinweg oder beim Vergleich zwischen unterschiedlichen Ländern - irreführende Werte. Kinder und Jugendliche nehmen bis zum 15. Geburtstag ja kaum in nennenswertem Maße Alkohol zu sich, und es ist daher zweckmäßig, die insgesamt konsumierte Alkoholmenge auf die Ab-15 Jährigen zu beziehen ( zur Tabelle).
Die Umrechnung der Werte aus ( zur Tabelle) auf jene in ( zur Tabelle) erfolgt, indem man erstere durch den relativen Anteil der 15- bis 99 Jährigen in der Gesamtbevölkerung dividiert. Dieser Anteil betrug im Jahre 2008 z.B. 85% (100% – 15% = 85%, vgl. Tab. 22, zweite Spalte). ( zur Tabelle).
Wenn diese Anpassung nicht erfolgt, erscheinen Länder bzw. Epochen mit einem größeren Kinder- und Jugendlichenanteil hinsichtlich des Alkoholkonsums im Vergleich mit anderen ungerechtfertigter Weise als gemäßigter.

Besonders deutlich wird das, wenn man den Verlauf des Pro-Kopf-Konsums in Österreich bezogen auf die Gesamtbevölkerung und bezogen auf die Ab 15-Jährigen vergleicht. (siehe Abb. 2)

Nach ersterer Berechnung ergibt sich ein scheinbarer Höhepunkt des Alkoholkonsums um 1990, bei letzterer Berechnung erkennt man, dass der Alkoholkonsum mit 33,7g/Tag den Höhepunkt im Jahr 1973 erreichte, dann über ein halbes Jahrzehnt auf fast 31g/Tag sank und danach bis Anfang der 90er Jahre um einen konstanten Wert schwankte.
Anfang der 90er Jahre ergab sich dann neuerlich eine leichte Trendwende in Richtung weniger Alkoholkonsum. 1997 und 1998 hatte sich der Pro-Kopf-Konsum der Erwachsenen von reinem Alkohol dann auf annähernd 30g/Tag verringert.
Für das Jahr 2008 ist ein neuerlicher Rückgang des Alkoholkonsums auf 26,9g/Tag zu verzeichnen.

Die Frage, ob sich im neuerlichen Rückgang des ausgewiesenen Alkoholkonsums in Österreich ein deutlicher Rückgang verbirgt, oder ob es sich bloß um einen durch globale politische Veränderungen erklärbaren Messfehler handelt (nicht erfasster Import durch neue Zollfreiläden an der Ostgrenze, EWR-Beitritt Österreichs und Veränderungen durch den EU-Beitritt) kann aus den Statistiken allein nicht geklärt werden. Dafür, dass sich im beobachteten Rückgang des Alkoholkonsums ein reales Phänomen und nicht bloß ein Erhebungsartefakt spiegelt, spricht allerdings, dass in der – hinsichtlich der Alkohol­konsumgewohnheiten mit Österreich durchaus vergleichbaren und schon lange zum Kreis der EU-Länder zählenden – Bundesrepublik Deutschland ein ähnlicher Rück­gang des Alkoholkonsums beobachtet werden konnte (Kraus & Bauernfeind, 1998; Bühringer et al., 2000).


Literatur:

Eisenbach-Stangl, I. (1991a): Eine Gesellschaftsgeschichte des Alkohols - Produktion, Konsum und soziale Kontrolle alkoholischer Rausch- und Genussmittel in Österreich 1918-1984. Campus, Frankfurt

Eisenbach-Stangl, I. (1994a): Die neue Nüchternheit. In: Janig, H.; Rathmayr, B. (Hrsg.): Wartezeit - Studien zu den Lebensverhältnissen Jugendlicher in Österreich. Österreichischer Studienverlag, Innsbruck

Kraus, L.; Bauernfeind, R. (1998): Repräsentativerhebung zum Gebrauch psychoaktiver Substanzen bei Erwachsenen in Deutschland 1997. Sucht, 44, 4

Bühringer, G.; Augustin, R.; Bergmann, E.; Bloomfield, K.; Funk, W.; Junge, B.; Kraus, L.; Merfert-Diete, C.; Rumpf, H.J.; Simon, R.; Töppich J. (2000): Alkoholkonsum und alkoholbezogene Störungen in Deutschland. Nomos, Baden-Baden


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