Suchtpräventionsdokumentation - Alkohol
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Straßenverkehrsunfälle

Text aus:
Uhl, Alfred; Bachmayer, Sonja; Kobrna, Ulrike; Springer, Alfred; Kopf, Nikolaus.; Beiglböck, Wolfgang; Eisenbach-Stangl, Irmgard; Preinsperger, Wolfgang; Musalek, Michael. (2009, in Vorbereitung):
Handbuch: Alkohol - Österreich: Zahlen, Daten, Fakten, Trends 2009. dritte überarbeitete und ergänzte Auflage. BMGF, Wien
(Datenstand: 15.4.2009)


Wie man den Tabellen

Straßenverkehrsunfälle (absolut) (1961-2006) (aktualisiert > 07.03.2008)

Straßenverkehrsunfälle (pro 100 000 Kfz-Zulassungen) (1961-2006) (aktualisiert > 07.03.2008)

entnehmen kann, ist die Zahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden und der Verkehrsverletzten von 1961 bis Anfang der 70er Jahre laufend gestiegen, danach bis zum Ende der 90er Jahre kontinuierlich gesunken und bis 2003 wieder ungefähr auf das Ursprungsniveau von 1961 angestiegen.
Ein ähnlicher Verlauf - Anstieg bis Anfang der 70er Jahre und danach kontinuierliches Absinken, allerdings ohne neuerlichem Anstieg Ende der 90er Jahre - zeigte sich auch bei der Zahl der Verkehrstoten, den alkoholbezogenen Verkehrsunfälle mit Personenschaden, den alkoholbezogenen Verkehrsverletzten und den alkoholbezogenen Verkehrstoten. Der Rückgang über den Beobachtungszeitraum 1961 bis 2003 betrug bei den Verkehrstoten 43%, bei den alkoholbezogenen Verkehrsunfälle mit Personenschaden 22%, bei den alkoholbezogenen Verkehrsverletzten 23% und bei den alkoholbezogenen Verkehrstoten sogar 69%.

Diese absoluten Zahlen zu vergleichen ist allerdings recht irreführend, weil die Anzahl der zugelassene KFZ im Beobachtungszeitraum zwischen 1961 und 2003 auf das 3,9-fache angestiegen ist, wobei gleichzeitig die pro KFZ gefahrene Jahreskilometerzahl weitgehend konstant blieb. Betrachtet man die Zahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden, Verkehrsverletzten und Verkehrstoten nämlich relativ zum Kraftfahrzeugbestand, so fällt von 1961 bis 2003 in allen drei Kategorien ein enormer Rückgang auf. Wie man Abb. 23, S.314 entnehmen kann ergab sich pro zugelassenem Kraftfahrzeug von 1961 bis 2003 ein Rückgang der Verkehrsunfälle

> auf rund ein Viertel bei Unfällen (26%), sowie Verletzten (26%),
> auf rund ein Fünftel bei Verkehrstoten (15%), Alkoholunfällen (20%) sowie Verletzten bei Alkoholunfällen (20%) und
> auf rund ein Zehntel bei Toten im Zusammenhang mit Alkoholunfällen (11%).

Dieser starke Trend zu weniger Verkehrsunfällen ist durch eine Reihe von Maßnahmen zu erklären, wie straßenbauliche Verbesserungen, Maßnahmen zur Entschärfung von unfallträchtigen Situationen, bessere und sicherere Kraftfahrzeuge, mehr Fahrpraxis beim durchschnittlichen Fahrzeuglenker und dem Trend zu weniger Alkoholisierung im Straßenverkehr. Interessanterweise wird diese unglaubliche Erfolgsstory in den Medien kaum je als solche dargestellt. Im Gegenteil - es dominieren Negativberichte in Verbindung mit der Forderung energische Schritte zur Erhöhung der Verkehrssicherheit zu setzen.

Da sich im Beobachtungszeitraum einige Rahmenbedingungen verändert haben, ist bei der Interpretation der Zahlen in den oben genannten Tabellen mit gewissen Unschärfen zu rechnen.

Folgende Aspekte sind zu beachten:

> Als Verkehrstote galten bis 1965 und ab 1992 Personen, die innerhalb einer 30-Tagesfrist an den Unfallsfolgen starben. Im Zeitraum zwischen 1966 und 1991 galt diesbezüglich eine 3-Tagesfrist. Um nun die Vergleichbarkeit über den gesamten Zeitraum zu gewährleisten, kamen das Bundesministerium für Inneres, Statistik Austria und das Kuratorium für Verkehrssicherheit überein, die Werte zwischen 1966 und 1991 durch Multiplikation mit 1,12 approximativ auf die 30-Tagesbasis hochzurechnen. Die entsprechenden Zahlen in der Tabelle: Straßenverkehrsunfälle (absolut) (1961-2006) und der Tabelle: Straßenverkehrsunfälle (pro 100 000 Kfz-Zulassungen) sind in diesem Sinne hochgerechnet. Zu den nicht-hochgerechneten Werten, die sich in manchen anderen Veröffentlichungen finden, gelangt man indem man die in den Tabellen dargestellten Werte durch 1,12 dividiert.

> Die alkoholbezogenen Verkehrstoten betreffend muss man bedenken, dass hier aufgrund der relativ geringen Zahlen die Zufallskomponente recht groß ist und man daher nur längerfristige Trends, aber keinesfalls Schwankungen von Jahr zu Jahr interpretieren sollte. Schon ein einziger schwerer Alkoholunfall - z.B. wenn ein Autobus mit mehreren Insassen involviert ist - kann hier einen enormen Zuwachs bedeuten.

> Bei der Beurteilung des Alkoholeinflusses im Verkehrsunfallgeschehen gibt es einerseits Faktoren, die systematisch in Richtung Unterschätzung, und andere, die systematisch in Richtung Überschätzung wirken, und deren Einfluss sich teilweise gegenseitig kompensiert. Eine Unterschätzung ergibt sich, weil bei schwer verletzten bzw. getöteten Lenkern, ganz besonders wenn es sich um Alleinunfälle handelt, nicht immer festgestellt wird, ob der Lenker alkoholisiert war , und eine Überschätzung ergibt sich, weil jeder Unfall mit einem alkoholisierten Beteiligten automatisch als "Alkoholunfall" klassifiziert wird, auch wenn die Alkoholisierung nicht ursächlich zum Unfall beigetragen hat . Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV, 2006) fördert hier z.B. noch die logisch inkorrekte Kausalinterpretation, indem in irreführender Weise z.B. der Begriff "Unfälle durch Trunkenheit" verwendet wird, anstatt die korrekteren Ausdrücke "alkoholassoziierte Unfälle" oder "alkoholbezogene Unfälle" zu verwenden.

> Seit 1998 haben weiters zwei legislative Maßnahmen zu einem scheinbaren Anstieg der Alkoholbeteiligung geführt. Einerseits wird eine Blutalkoholkonzentration zwischen 0,5 und 0,8 Promille, die vor 1998 als "keine Alkoholbeeinträchtigung" klassifiziert wurde, seit 1998 als "Alkoholbeeinträchtigung" gewertet, und andererseits hat das Innenministerium ab Juli 2002 per Erlass angeordnet, dass bei allen Lenkern, die in Verkehrsunfälle mit Personenschaden involviert sind, obligatorisch ein Alkoholtest durchgeführt werden muss, weswegen nüchtern erscheinende alkoholisierte Unfallbeteiligte seither mit weit größerer Wahrscheinlichkeit früher entdeckt werden. Über das genaue Ausmaß dieser verzerrenden Einflüsse kann man mangels präziser Daten jedoch nur spekulieren.
Ferner ist noch zu erwähnen dass seit Juli 2002 das Bundesministerium für Inneres per Erlass angeordnet hat, bei allen Unfällen mit Personenschaden einen Alkomattest durchzuführen, wodurch die Dunkelziffer verringert wurde. Der Alkomattest wird jedoch nicht bei Toten oder Schwerverletzten durchgeführt. Bei Toten liegt die Entscheidung bei der Staatsanwaltschaft, bei Schwerverletzten wird jeweils situationsabhängig über die Durchführung eines Alkomattest entscheiden.
Zwar nehmen Männer als alkoholisierte Lenker nach wie vor den Spitzenplatz in der Unfallstatistik ein, die Zahl der Frauen, die alkoholbeeinträchtigt ein Fahrzeug lenken, nimmt jedoch ständig zu. Vor 10 Jahren betrug der Frauenanteil rund 5%, jetzt sind es bereits 10%. 2002 waren 275 Frauen bei Unfällen mit Personenschaden alkoholisiert.


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